Prof. Dr. Tobias Leonhard (PH FHNW, Schweiz)

 

Abstract der Keynote

Die Anforderung, der Welt immer wieder reflexiv zu begegnen, hat sich in den letzten Jahrzehnten zum gesellschaftlichen Standard entwickelt, auch in Bildungsinstitutionen wird von Kindesbeinen an auf eine Steigerung von Reflexivität z.B. als Idee zunehmender Reflexionskompetenz hingearbeitet. Im Vortrag wird anhand von Beispielen aus unterschiedlichen Bildungsinstitutionen versucht, die aktuell dominanten Logiken der Reflexionsansprüche zu rekonstruieren. Dabei gilt es auch, den Herkünften und Hybridisierungen der analysierten Artefakte und Praktiken auf die Spur zu kommen.  Die kritische Untersuchung dieser Beispiele, in denen Reflexion als conditio sine qua non von Bildungs- und Professionalisierungsprozessen firmiert, führt abschliessend zu einer ersten Positionierung bezüglich der Bedeutung und Grenzen der Bedeutsamkeit von Reflexion in Schule und Hochschule.

Keynote von Prof. Dr. Thomas Häcker (Universität Rostock)

 

Abstract der Keynote

Wie in vielen anderen Disziplinen und Professionen auch erscheint Reflexion in der Lehrer*innenbildung als der Inbegriff des Anzustrebenden, dessen Steigerung in jedem Fall ein Gewinn wäre. Allerdings bricht sich der Reflexionsoptimismus nicht nur an der Frage der Wirksamkeit der Reflexion, es deutet auch einiges darauf hin, dass menschliche Reflexion eine Ausnahmeleistung darstellt, die eher selten vorkommt, oftmals folgenlos bleibt und deren Stellenwert notorisch überschätzt wird. Die verbreitete Nobilitierung der Reflexivität als Selbstzweck, die hohen Erwartungen an die Realisierung höchster Reflexionsniveaus und die Verdichtung von Reflexionsanforderungen werfen die Frage auf, ob Reflexion in der Lehrer*innenbildung nicht unter der Hand zu einer quasi-technologischen Formel zur Sicherung einer Gewissheitspose an den Grenzen des Mach-, Plan-und Steuerbaren gerät. Im Vortrag wird gefragt, wie die Frage der Wirkung von Reflexion auf der Grundlage ihres anthropologischen Stellenwertes gestellt und wie Reflexion in der Lehrer*innenbildung zwischen Trivialisierung und Mystifizierung lokalisiert werden könnte.

Prof. Dr. Friederike Heinzel (Universität Kassel)

 

Abstract der Keynote

Die Reflexion von Unterrichtsinteraktion umfasst die explorierende, kritisch-distanzierte Auseinandersetzung mit Unterrichtshandlungen. Zu unterscheiden sind alltägliche gedankliche Betrachtungen des eigenen Unterrichts durch Lehrpersonen von eingeforderten Retrospektiven im Kontext der Lehrer*innenbildung und wissenschaftlichen Analysen von protokolliertem Unterricht mit Blick darauf, welche Konzepte von Unterricht und welche Entwürfe seiner Ziele, Qualitäten oder Strukturen den Bezugsrahmen der Reflexionen bilden. Im Vortrag werden Leitideen von Unterricht mit Formen der Reflexion von Unterrichtsinteraktion und Konstruktionen der Bedeutung von Reflexivität in Beziehung gesetzt und ausgewählte empirische Befunde zu Gegenständen, Praktiken und Erträgen der Reflexion von Unterrichtsinteraktion dargestellt. Methodische Zugänge und Herausforderungen der Reflexion von Unterrichtsinteraktion werden diskutiert und problematisiert, welche Funktion der Reflexionsbegriff bei der Auseinandersetzung mit Unterricht erfüllt und welche Differenz ihn gegenüber dem Anspruch der Analyse von Unterrichtshandlungen eigentlich auszeichnet.

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